Besuch bei EU-Kommisar Oettinger

Besuch bei EU-Kommisar Oettinger

Besuch bei EU-Kommisar Oettinger

25. SEPTEMBER 2014

BRÜSSEL-REISE ZUR EUROPÄISCHEN KOMMISSION


"Kommen Sie doch mal einen Tag zu mir nach Brüssel und schauen sich an, wie wir so arbeiten", hatte EU-Energiekommissar Günther Oettinger beim Austausch mit der Energy Academy Ende April in Berlin jovial in die Runde gerufen. Wir nahmen ihn und seine Einladung beim Wort. Einige Wochen (also gut: Monate), Anrufe und E-Mails später stand das Programm für einen solchen Vorort-Besuch in der EU-Hauptstadt. Es war dicht, es wurde uns als Privileg kommuniziert und es war auch eines. Denn Termine bei Direktoren der Generaldirektion Energie sind ein rares Gut, ebenso bei Mitgliedern des Kabinetts und beim EU-Kommissar selbst sowieso. Wir bekamen jedoch die Chance, diese Schlüsselpersonen der EU-Energiepolitik und Regulierung quasi im Stakkato-Takt zu treffen, geballt, an einem halben Tag. Der Termin: 24. September.

Es begann mit einem Mittagessen mit Mechthild Wörsdörfer, Direktorin für Energiepolitik, und Markus Schulte, Mitglied des Kabinetts des Energiekommissars. In der Direktion von Frau Wörsdörfer werden die langfristigen Ziele der EU-Energiepolitik analysiert und vorgeschlagen. Konkret geht es um Quoten für die Jahre 2030 und 2050 in Bezug auf Emissionsreduzierung, Energieeffizienz und erneuerbare Energie. Dass solche Quoten für den Umwelt- und Klimaschutz notwendig sind, mag jedem EU-Mitgliedsstaat klar sein. Doch die unterschiedlichen Traditionen im Energiemix und der wirtschaftlichen Entwicklung machen die Festlegung verbindlicher Ziele stets zu einer Herausforderung. Für den Weg zum Konsens arbeitet die Direktion oft mit Szenario-Analysen und Kosten-Nutzen-Rechnungen. Die Gratwanderung zwischen Kompromiss und Vision in der europäischen Energiepolitik stand im Zentrum unserer Diskussion mit Mechthild Wörsdörfer. Danach führte Markus Schulte seine Erfahrungen aus. Er kümmert sich im Kabinett um die Umsetzung eines Binnenmarktes in der europäischen Energiebranche.

Mit diesem Thema ging es auch nach dem Lunch weiter, im Gebäude der Generaldirektion Energie. Dort erwartete uns Klaus-Dieter Borchardt, zuständiger Direktor für den Binnenmarkt in der europäischen Energiebranche. Im Sinne der Prinzipien eines freien Waren- und Dienstleistungsverkehrs war die Europäische Kommission treibende Kraft bei der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte. Doch die Arbeit ist längst nicht erledigt, wie Borchardts Direktion zeigt: Dort kümmern sich drei Abteilungen darum, dass die nationalen Energiemärkte auf unterschiedlichen Ebenen noch besser verzahnt werden - vom Energiehandel bis hin zum Endkundenmarkt. Paneuropäische "Stromautobahnen" spielen dabei ebenso eine Rolle wie Smart Meter. Inge Bernaerts leitet eine dieser Abteilungen, jene für die Umsetzung eines Binnenmarktes für den Großhandel mit Strom und Gas. Die Belgierin gab uns einen Überblick über die aktuelle Situation und diskutierte mit uns anstehende Maßnahmen. Zwar sei die Handels- und damit Preiskoppelung für den Ein- und Verkauf zum nächsten Tag ("Day Ahead") bereits in 14 Mitgliedstaaten erreicht. Nun ging es aber darum, dass die europäischen Strombörsen ihre Systeme und Prozesse so aufeinander abstimmen, dass so eine paneuropäische Kopplung auch im "Intraday"-Handel verwirklicht wird.

Danach trafen wir Paul Hodson, Abteilungsleiter für Energieeffizienz. Die Diskussion mit dem Briten drehte sich rasch darum, warum gerade in diesem Bereich die Festlegung von Rahmenbedingungen so schwierig ist und was man machen könnte und sollte, um dieses komplexe Thema besser zu kommunizieren. Florian Ermacora, der den Nachmittag für uns organisiert hatte, fasste am Ende noch kurz die Arbeit der Generaldirektion zusammen - und betonte, dass er mit unserem unternehmerischen Think-Tank gerne im Austausch bleiben würde.

Beim gemeinsamen Abendessen im Stadtzentrum stieß Günther Oettinger zu uns und zog ein Resümee über seine Amtszeit als Energiekommissar. Als größte Errungenschaft dieser Zeit sieht er die 248 Infrastrukturprojekte, die die nationalen Energiemärkte besser vernetzten sollen und somit laut Kommissar wichtige Puzzlesteine hin zu einem Weg eines paneuropäischen Binnenmarktes sind. Die Projekte werden von der Kommission (mit-)finanziert und sollen bis 2020 umgesetzt sein. Oettinger zeigte sich überzeugt, dass er auch in seiner neuen Funktion als "Digitalkommissar" noch den Bezug zur Energiebranche halten kann. Immerhin spielt auch dort die Digitalisierung eine große Rolle.




Folgende 20 Mitglieder der Energy Academy waren bei der Reise dabei: Klaus Breil (Consultant), Felix Ferlemann (IMX-Industriebeirat), Alois Flatz (Partner bei Zouk Capital), Frank Grunert (Regional Director für Europa und Lateinamerika, Bayer Material Science), Christian Heep (Vorstand beim Bundesverband eMobilität), Olaf Heil (Direktor bei RWE Innogy), Wilfried Köplin (Leiter Konzernenergiepolitik, Bayer), Dirk Lindgens (Geschäftsführer, Energate), Günter Nickel (Vorstandsvorsitzender, Kofler Energies), Christoph Ostermann (Gründer und Geschäftsführer, Sonnenbatterie), Carsten Petersdorff (Geschäftsführer, Ecofys), Kishore Pinpati (Geschäftsführer, Pinpoint Ventures), Thomas Raffeiner (Gründer und Geschäftsführer, The Mobility House), Jens Raschke (Partner und Leiter Utilities, BearingPoint), Stephan Reimelt (CEO von GE Energy Deutschland), Jochen Schwill (Gründer und Geschäftsführer, Next Kraftwerke), Kjartan Skaugvoll (Geschäftsführer, Cuculus), Günter Subklew (Forschungszentrum Jülich), Gregor Waldstein (Gründer und Geschäftsführer, Etogas) und Robin Welling (Geschäftsführer, TiSun).

von: energyawards

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